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Auch Schotten ist betroffen - Podiumsdiskussion auf Einladung der SPD zum demografischen Niedergang
(em). Mit der Vorstellung der Studie „Zukunft der Dörfer - Zwischen Stabilität und demografischem Niedergang“ hatte die SPD Schotten ein brisantes Thema aufgegriffen, rund 60 Zuhörer waren dazu ins Dietrich-Bonhoeffer-Haus gekommen.
Moderator Andreas Drinkuth mit Maren Heincke und Susanne Schaab auf dem
Podium. Auch die Zuhörer schalteten sich in die lebhafte Diskussion ein.
Foto: Maresch
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Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Schotten, Dr. Andreas Drinkuth,
konnte als Referentin Dr. Maren Heincke (zuständig für Fragen des
ländlichen Raumes in der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau) und
Bürgermeisterin Susanne Schaab als ihre Diskussionspartner begrüßen. |
Schlaglichtartig führte Drinkuth ins Thema. Schotten hat derzeit 10800
Einwohner, die Prognosen für das Jahr 2030 gehen von etwa 9400 Bürgern
mit einem deutlich höheren Altersdurchschnitt als heute aus. So werde
die besonders produktive Bevölkerungsgruppe zwischen 25 bis 45 Jahren
noch deutlich zurückgehen.
Einschneidende Folgen des Bevölkerungsverlustes seien abzusehen: Abwanderung, Verfall der Immobilienpreise, Ausdünnen der Nahversorgung im Vergleich zu den Leistungen in Ballungsräumen, damit genaugenommen ein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz - da bleibt tatsächlich nur Drinkuths Frage „Was tun?“
Maren Heincke konnte mit der Vorstellung der Studie von einer Grundlage exakter Daten ausgehen. Im Auftrag der Stiftung Schloss Ettersburg vom Berlin-Institut durchgeführt, wurden demografisch-strukturelle Entwicklungen in Orten mit weniger als 500 Einwohnern des Vogelsbergkreises und des thüringischen Kreises Greiz beschrieben.
Mehrere Faktoren flossen in die Bewertung ein: die Einwohnerentwicklung der letzten fünf Jahre, die Altersstruktur, bürgerschaftliches Engagement vor Ort, insbesondere Vereine, Immobilienleerstände im Ortskern sowie Fahrzeit und Verkehrsanbindung zum nächsten Oberzentrum.
Die gewonnenen Daten flossen in Kreiskarten ein, in denen die Orte je nach Bevölkerungsverlust in unterschiedlichen Farben eingezeichnet waren. Daraus wurde ein Ranking entwickelt, mehr noch ein „Frühwarnsystem“, denn negative Faktoren können sich in einer Abwärtsspirale gegenseitig verstärken. Ein Ortskern mit leeren, immer schäbiger werdenden Häusern, das Erlöschen von Vereins- und Gemeinschaftsaktivitäten, die Reduzierung des ÖPNV wird kaum potentielle Zuzugswünsche verstärken.
Maren Heincke: „Die geografische Lage bestimmt die demografische Lage“ - großer Abstand zu den Ballungsräumen, ihrer wirtschaftlichen Intensität und ihren Arbeitsplätzen, ist nicht leicht auszugleichen. Im Vogelsbergkreis sind 36 von 100 Arbeitnehmern Pendler. Allerdings verwies Heincke auf Beispiele aus Bayern und England, wo eine langfristige dezentrale Arbeitsplatzförderung die Strukturen im ländlichen Raum gestärkt hat und es Landkreise mit einer Arbeitslosenquote von zwei Prozent geben soll.
Ganz klar bezog die Referentin Position für das Ziel „Vielseitiges Engagement in stabile Dörfer“. Es müsse eine intelligente, die Lasten teilende Kooperation zwischen Stadt und Land geben, auch auf der konkreten Ebene des Finanzausgleichs. Heincke setzte hinzu: „Allerdings zielorientiert, kein Gießkannenprinzip!“
Lebhaft war dann die von Drinkuth moderierte Diskussion „Wo steht Schotten?“, im direkten Gespräch zwischen Zuhörern, der Referentin und der Bürgermeisterin. Die schwierigen Aufgaben einer Flächengemeinde, die allein 250 Kilometer Wasser- und Abwassernetz zu unterhalten hat, sprach Susanne Schaab offen an. Bürger kritisierten den „praktisch gar nicht mehr vorhandene öffentlichen Nahverkehr“.
Allgemeine Zustimmung fand das Fazit des Ur-Schotteners Hans Richard Pröscher „Wir haben so viel Schönes hier - aber zu wenig bekannt!“ und das Votum des Stadtverordneten Hans Dieter Herget: „Bei aller Verpflichtung zu technisch effizientem, sparsamen Wirtschaften: Bürger haben das Recht, Solidarität einzufordern!“
Das deckte sich mit der Aussage der Bürgermeisterin: „Die Lobbyisten in den entscheidenden Gremien kommen aus den Ballungsräumen!“ So steht unter den veränderbaren Faktoren zur Stabilisierung des ländlichen Raumes das bürgerschaftliche Engagement obenan - verbunden mit den Blick auf übertragbare Modelle.
Und so nannte Heincke etwa ein Netz handybasierter Mitfahrgelegenheiten, die sich in der Eifel bewährt haben.
Quelle: Kreisanzeiger 27.4. 2012
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